Hamburger Musikgeschichte
B.A. Records aus Hamburg – das Indie-Label, aus dem Grand Hotel van Cleef wurde
B.A. Records war ein Hamburger Independent-Label, das in der deutschen Indie- und Punk-Geschichte eine größere Rolle spielte, als sein Name heute vermuten lässt. Gegründet wurde es 1996 von dem Musiker Marcus Wiebusch in der Hansestadt. Das Label hatte den Labelcode 10055 und wurde über den Vertrieb Indigo verbreitet. Sein Programm bewegte sich zwischen Indie-Rock und Hardcore Punk und damit genau in jener Szene, für die Hamburg in den 1990er-Jahren stand.
Wer sich für die Musikstadt Hamburg interessiert, kennt heute vor allem die großen Bühnen: die Elbphilharmonie, die Musical-Häuser am Hafen und das Schmidt Theater auf der Reeperbahn. B.A. Records erzählt von einer anderen, raueren Seite dieser Stadt: von Proberäumen, Clubs und einer Do-it-yourself-Haltung, die das St. Pauli und das Schanzenviertel bis heute prägt.
Ein Label aus der Hamburger Punk- und Indie-Szene
Marcus Wiebusch war kein Manager, der von außen auf die Szene blickte, sondern Teil von ihr. Er spielte selbst in den Bands …But Alive und Rantanplan, die beide auf B.A. Records erschienen. Aus dieser Doppelrolle als Musiker und Labelmacher entstand ein Programm mit Haltung: laut, politisch, unabhängig. Die Hamburger Club- und Nachtlebenszene rund um die Reeperbahn und das spätere Beatles-Erbe der Stadt waren der natürliche Resonanzraum für diese Musik.
Nicht zufällig liegt der wohl bekannteste Bezugspunkt dieser Subkultur ein Stück weiter südlich: das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli, das wie kaum ein anderer Ort für die linke, unangepasste Identität des Viertels steht. Wer das Lebensgefühl jener Jahre nachvollziehen will, findet es noch heute in den Straßen von St. Pauli und im benachbarten, alternativ geprägten Altona und Ottensen.
Tomte und der Durchbruch von 1998
Der vielleicht wichtigste Schritt in der Geschichte von B.A. Records war die Verpflichtung der Band Tomte rund um Thees Uhlmann. 1998 veröffentlichte das Label deren Debütalbum Du weißt, was ich meine – ein früher Baustein dessen, was später als „Hamburger Schule" der zweiten Generation und als deutschsprachiger Indie-Rock breite Bekanntheit erlangte. Das zweite Tomte-Album Eine sonnige Nacht erschien 2000 bereits bei Uhlmanns eigenem Label Hotel van Cleef, was die enge Verflechtung der Hamburger Indie-Macher zeigt.
Über die eigenen Veröffentlichungen hinaus brachte B.A. Records auch internationale Künstler nach Deutschland: Das Label vertrieb hierzulande Aufnahmen der kanadischen Punkband Propagandhi und ihres Ablegers The Weakerthans sowie der Hardcore-Band I Spy. So wurde aus einem kleinen Hamburger Label ein Knotenpunkt, an dem sich lokale Szene und internationale Punk-Bewegung trafen.
2002: die Fusion zu Grand Hotel van Cleef
Im Jahr 2002 fusionierte B.A. Records mit dem Label Hotel van Cleef zum gemeinsamen Grand Hotel van Cleef. Hintergrund war ganz praktisch die zeitliche Überlastung von Wiebusch, der Musiker und Labelarbeit nicht länger allein stemmen konnte. Das neue Label wurde zu einer festen Größe des deutschen Indie-Rock und veröffentlichte unter anderem Alben von Kettcar – dem Nachfolgeprojekt von …But Alive und Rantanplan – sowie weitere Tomte-Platten.
Damit ist B.A. Records mehr als eine Fußnote: Es ist der direkte Vorläufer eines der einflussreichsten deutschen Independent-Labels und ein gutes Beispiel dafür, wie eng Kultur, Musik und Stadtgeschichte in Hamburg miteinander verwoben sind. Die Geschichte spielte sich vor allem in den zentralen, kreativen Vierteln ab – von St. Pauli über die Sternschanze bis ins multikulturelle St. Georg.
Musikstadt Hamburg heute erleben
Die DIY-Energie, aus der B.A. Records hervorging, lebt in Hamburg weiter. Jedes Jahr im Herbst verwandelt das Reeperbahn Festival die Clubs rund um St. Pauli in eines der größten Club-Festivals Europas und bietet jungen Bands genau die Bühne, die Labels wie B.A. Records einst per Hand organisierten. Wer Hamburg als Musikstadt entdecken möchte, findet im Hamburg-Reiseguide die passenden Anlaufpunkte – von Veranstaltungen über Sehenswürdigkeiten und Stadtteile bis zu Hotels und Restaurants für den eigenen Besuch.
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Hinweis: Diese Seite bündelt Informationen rund um das ehemalige Hamburger Independent-Label B.A. Records und seine Bedeutung für die Musikgeschichte der Hansestadt. B.A. Records ist seit der Fusion zu Grand Hotel van Cleef (2002) nicht mehr aktiv.